Autismus-Spektrum-Störung ASS

Der geläufige Begriff Autismus beschreibt eine tiefgreifende Entwicklungs­störung, die im Babyalter beginnend meist ein Leben lang zu Beein­trächtigungen führt. Ungefähr 1% der Personen eines Jahrgangs ist betroffen, die Ursachen sind nach wie vor nicht umfassend geklärt. Autismus tritt in unterschiedlich starker Ausprägung auf, die Symptome sind in ihrer Kombination vielfältig. Es handelt sich stets um eine starke Beeinträchtigung des sozial-emotionalen Verhaltens, der Symbol- und Spielentwicklung sowie der verbalen und nonverbalen Kommunikation.

Die Art der sprachlichen Beeinträchtigung bei autistischen Menschen kann unterschiedliche Formen annehmen. Etwa die Hälfte der Betroffenen spricht gar nicht oder kommuniziert nur ansatzweise, die Ausdrucksmöglichkeiten bleiben reduziert auf gängige Wörter, kurze Sätze, stereotype, meist auswendig gelernte Floskeln oder das Wiederholen von Wörtern und Sätzen (Echolalie). Andere zeigen Defizite bei Artikulation, Wortschatz, Grammatik oder Erzählen. Einige ASS-Patienten sprechen zwar scheinbar mühelos auf gutem Niveau, scheitern aber an den Regeln einer normalen Gesprächs­führung. Allen gemeinsam ist eine mehr oder weniger starke Beeinträchtigung des Sprachverstehens, außerdem entgehen ihnen auch körpersprachliche Signale wie Gestik, Mimik, Haltung, Tonfall u. a.

Logopädische Therapie bei Autismus

Prognose und Erfolgsaussichten der logopädischen Therapie sind umso besser, je früher auf Anzeichen reagiert wird und eine von Fachleuten angeleitete und speziell auf Autismus abgestimmte Förderung stattfindet. Entsprechend der unterschiedlichen Ausprägung einer ASS müssen die Inhalte der Therapie individuell auf die Situation des betroffenen Kindes abgestimmt werden.

Das Ziel der logopädischen Therapie ist es, für die Sprachentwicklung notwendige Grundkompetenzen zu fördern und parallel dazu Fertigkeiten in den unterschiedlichen Bereichen von Sprache und Sprechen aufzubauen oder zu verbessern. Hierbei gilt das besondere Augenmerk der Pragmatik, also dem Sprachverstehen und -gebrauch im sozialen Kontext.

Folgende Punkte haben sich über viele Jahre als zielführend und erfolgversprechend erwiesen:

  • Langsames Vorgehen in kleinen Schritten
  • Einsatz passender Techniken wie Verhaltenstherapie, Darstellen von Abläufen und Zusammenhängen in Bildern und Videos (Visualisieren, Videomodellierung) und Methoden der Unterstützten Kommunikation.
  • Vermitteln von Schlüsselkompetenzen wie Imitation, Beachten und Verstehen sozialer Signale, geteilte Aufmerksamkeit, "triangulärer Blickkontakt" (Verständigung durch Blicke), Vorstellungsvermögen hinsichtlich Wissen, Wünschen, Gefühlen und Absichten anderer Menschen ("Theory of Mind") und wechselseitiges Eingehen aufeinander.

Methodisch orientieren wir uns an aktuellen logopädischen Behandlungsmethoden, deren Erkenntnisse wir uns zunutze machen, um einen individuell angepassten Therapieplan zu erstellen. Zum Einsatz kommen u.a. die ganzheitliche Sprachtherapie nach Zollinger, die patholinguistische Therapie nach Siegmüller & Kauschke, das Konzept "Führen zur Kommunikation" von Funke sowie Elemente aus TEACCH.