Was ist Selektiver Mutismus?

Von selektivem Mutismus spricht man, wenn Kinder nur innerhalb eines kleinen Kreises von vertrauten Personen (Geschwister, Familie) sprechen, in anderen Umgebungen (Kindergarten/Schule, Fremde) aber zur sprachlichen Kommunikation nicht fähig scheinen. Dabei verfügen die Betroffenen grundsätzlich über eine ausreichende sprachliche Kompetenz. Von vertrauten Personen werden sie meist als Mensch mit zwei Gesichtern erlebt, einem gehemmten, schweigenden und einem (oft sogar rege) sprechenden. Dieses „asymmetrische“ Verhalten führt oft dazu, dass Eltern das Problem nicht erkennen und als Schüchternheit abtun.

Im Allgemeinen handelt es sich beim selektiven Mutismus um eine psychische Störung im Kindes- und Jugendalter, die durch eine deutliche, anhaltende und emotional bedingte Selektivität des Sprechens charakterisiert ist. Aufgrund der Wechselbeziehungen zwischen dem schweigenden Kind, seinen Bezugspersonen und der weiteren Umgebung lässt sie sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Nicht selten kommen weitere psychische oder seelisch-emotionale Störfaktoren wie beispielsweise eine Angststörung hinzu.

Mutistisches Verhalten hemmt die persönliche und schulische Entwicklung des Kindes und führt zu Rückzug und Isolation, es kann ferner zu einer großen Belastung für zwischenmenschliche Beziehungen werden.

Methodik und Ziel der Therapie

Basis unserer Arbeit ist die SYMUT Methode nach Hartmann. SYMUT steht für Systemische Mutismustherapie, d. h. der Therapie wird ein systemisches Menschenbild zugrundegelegt. Von diesem ausgehend werden neue Emotionsmuster erlernt, durch die Sprechangst abgebaut und überwunden werden kann.

Ablauf und Dauer

Eine Mutismustherapie verläuft in vier Phasen. Wir beginnen üblicherweise mit ersten lautlichen Äußerungen, die der Patient außerhalb seines Bezugsrahmens erlernt. Im zweiten Schritt geht es um das Äußern ganzer Sätze, die über Alltagsfloskeln wie Begrüßung oder Bedanken bis hin zu konkreten Sprechzielen (z. B. einen Wunsch äußern) trainiert werden. Zum Abschluss wird das Sprechen als soziale Interaktion geübt, wir tasten uns über das Nacherzählen von Geschichten an Gespräche heran und üben altersentsprechende Alltagssituationen wie Telefonate, Einkaufsgespräche, das Einholen von Auskünften etc.

Sehr wichtig ist der Kontakt zu und die Mitarbeit/Unterstützung von Eltern und sozialem Umfeld (Kindergarten, Schule, Sportverein). Diese werden in die Therapie mit einbezogen. Unerlässlich ist auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten, Therapeuten und Psychologen.

Drei und neun Monate nach Abschluss der Therapie erfolgt jeweils eine Nachuntersuchung.